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„Glaub nicht alles, was deine Selbstzweifel dir sagen“: Buchpremiere mit der Psychologin Anna Pietzka

Noch bevor ihr neues Buch erscheint, stellte die Psychologin und Impostor-Expertin Anna Pietzka es bei einer besonderen Premierenlesung im SRH Berufsbildungswerk Neckargemünd vor. Rund 200 Auszubildende beschäftigten sich gemeinsam mit ihr mit einer Erfahrung, die viele Menschen kennen: an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln, obwohl andere sie längst sehen.

Das sogenannte Impostor-Phänomen wird umgangssprachlich häufig als „Hochstapler-Syndrom“ bezeichnet. Für Anna Pietzka ist dieser Begriff allerdings irreführend. Denn Betroffene überschätzen ihre Fähigkeiten gerade nicht – sie neigen vielmehr dazu, die eigenen Kompetenzen und Erfolge kleinzureden.

Wenn der eigene Erfolg zum Zweifel führt

Gerade junge Erwachsene kennen solche Gedanken: Bin ich wirklich gut genug? Wann merken die anderen, dass ich eigentlich gar nicht so viel kann?

Erfolge werden dem Zufall oder glücklichen Umständen zugeschrieben, während die eigenen Fähigkeiten infrage gestellt werden. Die Sorge, den Erwartungen anderer nicht gerecht zu werden, kann zu übertriebenem Perfektionismus führen – oder dazu, Aufgaben immer wieder aufzuschieben.

Anna Pietzka beschreibt dieses Gefühl mit einem anschaulichen Bild:

„Ich vergleiche das Impostor-Gefühl gern mit einem Kieselstein im Schuh. Man kann trotzdem weiterlaufen. Aber er stört ständig. Vielleicht bleibt man häufiger stehen oder nimmt einen Umweg.“

Das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören, kann dabei ganz unterschiedliche Ursachen haben. „Alles, was uns von anderen unterscheidet, kann dieses Gefühl hervorrufen: Eigentlich gehöre ich gar nicht hierher“, erklärte Pietzka auf ihrer Lesung, die von der Mediothek beyond books des SRH Berufsbildungswerkes Neckargemünd organisiert wurde.

Muss ich jedem Selbstzweifel glauben?

Im abschließenden Gespräch mit Antje Kietzmann vom SRH Berufsbildungswerk Neckargemünd ging es deshalb vor allem um die Frage: Was können wir tun, wenn Selbstzweifel uns immer wieder ausbremsen?

Ein erster Schritt besteht darin, die eigenen Gedanken bewusst wahrzunehmen – ohne automatisch alles für wahr zu halten, was die innere kritische Stimme sagt. „Ich erlaube mir, etwas anderes zu denken“, beschrieb Anna Pietzka eine mögliche Haltung.

Ebenso wichtig sei es, über Zweifel zu sprechen, sich Menschen anzuvertrauen und Feedback einzuholen. Denn der Wunsch nach Rückmeldung ist kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Kompetenz.

Gerade während der Ausbildung steckt darin eine wichtige Botschaft: Kompetenzen müssen nicht von Anfang an vollständig vorhanden sein. Sie dürfen sich entwickeln und wachsen – im Laufe der Ausbildung und im Laufe des Lebens. Das gilt auch für das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Bildung bedeutet deshalb mehr als die Vermittlung von Fachwissen. Junge Menschen brauchen Räume, in denen sie sich ausprobieren, sich mit sich selbst auseinandersetzen, Fehler machen, Fragen stellen und ihre eigenen Stärken entdecken können.

Anna Pietzka brachte es am Ende ihrer Lesung auf einen Satz:

„Ich darf das, was in mir steckt, in die Welt bringen.“

Eine Botschaft, die bei den Auszubildenden ankam – und mit viel Applaus beantwortet wurde.