KI-Fachtag mit Spiegel-Bestseller-Autor Daniel Jung und KI-Experte Klaus Kallenbrunnen
„Finde ich überhaupt noch einen Job?“ Diese Frage stellte unsere Auszubildende Selina Gress Daniel Jung beim KI-Fachtag am SRH Berufsbildungswerk Neckargemünd.
Eine Frage, die viele junge Menschen beschäftigt – und die zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns mit den Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz auseinandersetzen. Genau das haben wir bei unserem ersten KI-Fachtag gemeinsam mit internen und externen Gästen aus Wirtschaft, Bildung und Verwaltung getan. Denn künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt schneller und tiefgreifender, als viele erwartet haben.
Wie können wir unsere Auszubildenden auf diese Arbeitswelt vorbereiten? Welche Fähigkeiten brauchen sie künftig? Und wie können wir KI nutzen, um Lernen noch individueller und wirksamer zu gestalten?
Jede Menge Denkanstöße lieferten uns zwei hochkarätige Referenten: SPIEGEL-Bestsellerautor und Bildungsexperte Daniel Jung sowie KI-Experte und Unternehmer Klaus Kallenbrunnen. Durch die Veranstaltung führten Jörg Trabold, Bereichsleiter Ausbildung, und Philipp Jewak, Abteilungsleiter Sales & Service.
Sokratische KI: Lernen durch Fragen statt fertiger Antworten
„Wir haben noch gar nichts gesehen“, machte Daniel Jung mit Blick auf die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz deutlich. Umso wichtiger sei die Frage, wie sich das menschliche Lernen in einer Welt verändert, in der Wissen jederzeit durch KI verfügbar ist. Sein Ansatz für die Bildung der Zukunft: die sogenannte sokratische KI. Seiner Ansicht nach "das nächste große Ding". Dabei wird KI zum persönlichen Lernbegleiter, der nicht einfach Lösungen liefert, sondern Fragen stellt, zum Nachdenken anregt und hilft, Zusammenhänge selbst zu verstehen.
Ein solcher KI-Tutor lässt sich mit einfachen Anweisungen einrichten: „Ich möchte, dass du mein Mentor bist. Ich möchte Mathematik lernen. Ich möchte, dass du mich hinterfragst.“ Statt Aufgaben für die Lernenden zu lösen, begleitet die KI den Lernprozess, stellt Rückfragen und hilft dabei, Zusammenhänge selbst zu erkennen.
Auch die Produktion eigener Lernvideos könne das Verständnis vertiefen. Denn, so Jung: „Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht verstanden.“ Ergänzend könnten KI-gestützte Lernhilfen in regelmäßigen Abständen Wissen abfragen und wiederholen, um dem Vergessen entgegenzuwirken.
KI soll das Denken fördern – nicht ersetzen
Auch Klaus Kallenbrunnen zeigte, wie sehr KI den Berufseinstieg verändert. „Jedes Können beginnt unten.“ Aber genau hier setzt die KI an. Denn viele einfache Tätigkeiten, an denen Berufsanfänger bisher wachsen konnten, werden zunehmend von ihr übernommen. Umso wichtiger werden Fähigkeiten wie kritisches Denken, Eigenverantwortung, Teamarbeit und Kommunikation. Entscheidend sei insbesondere, KI-generierte Ergebnisse fachlich beurteilen und hinterfragen zu können, statt ihnen blind zu vertrauen. Sein Appell: „KI fragen, nicht machen lassen.“
Denn: „Wer den Gabelstapler ins Fitnessstudio nimmt, hebt viel, baut aber keinen Muskel auf.“
Wir als Ausbildungsbetrieb sehen das genauso: Wir wollen unsere Auszubildenden nicht nur fit im Umgang mit KI machen, sondern sie vor allem darin stärken, selbstständig zu denken, Verantwortung zu übernehmen und eigene Lösungen zu entwickeln.
Beide Vorträge stießen auf großes Interesse, regten zum Nachdenken an und sorgten für viele Fragen an die Speaker und einen lebendigen Austausch.
KI bei uns in der Ausbildung
Dass KI bei uns mehr als ein Zukunftsthema ist, konnten wir unseren Gästen bei einer Erlebnisführung am Nachmittag zeigen. Bei der Entdeckungstour durch unsere KI-Projekte wurden sie auf spielerische Weise vom Roboterhund des TechnologieCampus begrüßt – und das Interesse an unseren Ideen und Anwendungen war groß. Ob individuell gestaltete Lernprozesse und Bewerbungstrainings, KI-generierte Lernwelten in Augmented Reality oder persönliche KI-Lern-Avatare: Unsere Mitarbeiter:innen konnten zeigen, wie wir die neuen Möglichkeiten nutzen, um unsere Auszubildenden gezielt und bedarfsgerecht zu unterstützen. Mit einem verbindlichen KI-Modul für alle Auszubildenden schaffen wir außerdem die Grundlage für einen sicheren, kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie.
Unser Fazit: Ausbildung bleibt der Anker
„Ausbildung bleibt ein wichtiger Anker für einen erfolgreichen Einstieg in die Arbeitswelt. Gleichzeitig muss sie junge Menschen dazu befähigen, mit den Veränderungen durch künstliche Intelligenz selbstbewusst und kompetent umzugehen“, fasste unser Ausbildungsleiter Jörg Trabold zusammen.
Für Selina Gress und unsere anderen Auszubildenden ist das eine gute Nachricht: Die Arbeitswelt verändert sich – und wir begleiten sie dabei, ihren eigenen Weg darin zu finden.